Mit Ende des 3. Basisseminars sind wir mit der Struktur des Mediationsverfahrens nun beinahe am Ende angekommen – bei der 4. Phase, in der die Medianden zusammen mit dem Mediator gemeinsamen nach zufriedenstellenden Lösungen für alle Beteiligten zu einem zuvor ausgewählten Themenfeld suchen. Eine Situation, die häufig Auslöser für die Inanspruchnahme einer Mediation ist, ist die Trennung. Gerade bei Mediationen im Scheidungsverfahren kommt es nicht selten vor, dass Trennungen weitreichende Konsequenzen haben und sich auf diversen Ebenen vollziehen – es gibt oft sehr viel zu klären. Zudem sind Trennungen in den meisten Fällen ein hochemotionales Thema.

Dort, wo etwas Neues entsteht – sei es nun eine neue Beziehung, eine neue Kooperation im wirtschaftlichen Bereich oder auch ein neuer Lebensabschnitt – sind Trennungen Teil des natürlichen Kreislaufs, aber deswegen leider auch nicht leichter zu ertragen.

Ein wichtiger Teil bei der Ausbildung zum/r Mediator/in ist die Selbstreflexion, denn nur durch das Verständnis unserer eigenen Situation und unseres Hintergrunds können wir uns davor schützen, voreingenommen zu sein und eventuell Partei für eine Seite zu ergreifen, die uns in unserem privaten Leben verständlicher erscheint oder mit der wir aufgrund von eigenen Erfahrungen sympathisieren.

Während des 3. Termins der Ausbildung sollten wir genau dies tun. Durch Kyra angeleitet sollten wir uns in Gedanken zu einer Reise durch unsere Vergangenheit begeben und dabei unsere Gefühlsregungen beobachten. Im nächsten Schritt sollten wir uns in Kleingruppen über die Trennungen in unserem bisherigen Leben austauschen.

Ich empfand diese Aufgabe als sehr sinnvoll, denn natürlich habe ich in meinem Leben schon oft über meine Trennungen nachgedacht, allerdings noch nie in einer strukturierten, chronologischen Form und zusammen mit Menschen, die ich bis vor Kurzem noch gar nicht kannte. Ich habe den Eindruck, dass durch solche Übungen eine Gruppendynamik entsteht, die sonst nur selten zustande kommt und das finde ich sehr schade, denn gerade durch den Austausch mit den Anderen ist mir der Blick in mein eigenes Selbst tiefer gelungen und Verhaltensweisen, die ich vor Jahren an den Tag gelegt habe und die mir nie so recht klar wurden, konnte ich normalisieren und dadurch integrieren. Ich glaube, dass sich der Prozess der Selbstreflexion in unserem alltäglichen Leben manifestieren sollte, um so ein bewussteres, friedlicheres Leben mit sich selbst und mit allen anderen führen zu können.

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