Wehe dem Verrechnungsnotstand

Bei dem 4. Termin der Ausbildung wurde der Prozess der Mediation nun bis zum Ende besprochen und durchgespielt; die 5. Phasen bestehen zusammengefasst aus einer Einführung, der Einigung der Medianden auf die zu besprechenden Themen, der individuellen Sammlung der jeweiligen Interessen und Bedürfnisse, dem gemeinsamen Aufstellen von zukünftigen Handlungsoptionen und der Abschlussvereinbarung, die am Ende eines Mediationsverfahrens steht.

Außerdem wurde uns von Kyra und Bernadette eine alternative Art der Mediation – die Co-Mediation, also eine Mediation geführt durch zwei oder mehr MediatorInnen – erläutert und diese sollten wir dann in den Rollenspielen des Seminarwochenendes auch direkt ausprobieren. Der Vorteil einer Co-Mediation ist – gerade zu Beginn der Arbeit als Mediator/in – eine Entlastung beim Prozess durch die Möglichkeit einer Aufteilung der Aufgaben und ein Zugewinn an Kompetenz und Ideen. Nachteile einer Co-Mediation sind vor allem die erschwerte, terminliche Planung und oftmals – wenn nicht anders mit den Medianden vereinbart – eine höhere, finanzielle Belastung.

Abgesehen von der Struktur des Verfahrens und der Rollenspiele, gab es auch an diesem Wochenende eine Aufgabe zur Selbstreflexion, dieses Mal mit dem Thema „Fairness und Gerechtigkeit“.  Soziale Beziehungen sind geprägt vom Austausch untereinander – vom Geben und Nehmen – wobei ein Austausch auf verschiedenen Ebenen abläuft und jeder seine eigenen „Währungen“ mit an den gemeinsamen Tisch bringt. Ein Problem, das in Beziehungen vorkommen kann, ist das Gefühl eines Ungleichgewichtes – wenn also eine Person gefühlt deutlich mehr oder deutlich weniger als die andere beteiligte Person gibt bzw. nimmt. Gefühlt schreibe ich an dieser Stelle, weil Beziehungen komplex sind und uns Bemühungen anderer Personen oft nicht so deutlich sind wie unsere eigenen oder weil ihre Währungen schlichtweg keine bzw. keine große Bedeutung für uns haben.

Da die Beziehungsökonomie oftmals ein sensibles Thema ist, über das nicht offen und deutlich genug miteinander geredet wird, spitzt sich das Gefühl des Ungleichgewichts teilweise so stark zu, dass es zu einem sogenannten „Verrechnungsnotstand“ kommt und damit zu einem teilweise nicht eigenmächtig überbrückbaren Konflikt.

Dies kann das Ende einer Beziehung bedeuten, aber auch Anlass sein, sich intensiv mit sich selbst, der anderen Person und der Beziehung auseinander zu setzen, gemeinsam nach Alternativen zu suchen, deutlich zu machen, was einem selber wichtig ist und zu hören, welche Währungen für die andere Person einen Mehrwert bringen.  Durch offene Kommunikation kann – wie so oft – neues Potential entfacht werden und Schritte in Richtung Zufriedenheit und Glück werden möglich.

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